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Arbeitsgruppe Kunst am Deich
 
Kunst & Kulturmoderation
Frank G. Klimmeck, Rodenkirchen

 
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  Kunst am Deich:
Der Skulpturenpfad rund um den Jadebusen
 
  2008: Der Turm zu Babel? - Die Hütte Gottes bei den Menschen! Die Vielfalt der Völker dieser Erde
Teil III:
Der Turmbau zu Babel? - Die Hütte Gottes bei den Menschen!

Die Völkerfamilie in der Vielfalt ihrer Sprachen,
Kulturen und Religionen im Mosaik der Erde

Langwarden (Butjadingen) 2008-2010


Animation: Architekturbüro Bendig & Wessels, Nordenham

Konzeptentwurf                                       (22.09.2007)

Nach dem erfolgreichen Künstlersymposium 2000 in Cäciliengroden und der Bildhauerwerkstatt 2002 in Augustgroden im Rahmen von „Kunst am Deich - Der Skulpturenpfad rund um den Jadebusen“ zu Themen und Motiven der im biblischen Mythos beschriebenen Menschheitsgeschichte soll nun der Abschluss der Urgeschichte nach biblischer Überlieferung markant an die Landspitze Butjadingens gesetzt werden: Die Urgeschichte endet mit der Aufzählung der Völkertafel und der Erzählung vom Bau eines Turms in Babylon (Gen 10 und 11).

Nun ist dieser Bau durch das Eingreifen einer transzendenten, göttlichen Macht nicht vollendet worden und ein Sprachwirrwarr entstand - die Vielfalt der Sprachen - und die Menschen zogen aus in alle Länder der Welt - die Vielfalt der Kulturen und Nationen entstand. So deutet Bibeltext das Zustandekommen dieser Vielfalt: Kulturgeschichte, die zugleich Menschheitsgeschichte ist.

Ambivalent mag man den Ausgang der Erzählung deuten, und so soll auch das zu schaffende Kunstwerk ambivalent sein: „Der Turmbau zu Babel“ - eine Geschichte von menschlicher Hybris - kann auch positiv als der Beginn der Vielfalt in der Welt gesehen werden, von der ein Zweig seitens der Bibel aufgegriffen und in der altestamentlichen Tradition weiter beschrieben wurde, während wir heute mehr und mehr im Pluralismus der Religionen und Kulturen auch die anderen Stränge der Völker-, Kultur- und Religionsentwicklungen entdecken. Diese Stränge aufgreifen und eine neue Sprache der Begegnung finden: dazu soll “Die Hütte Gottes bei den Menschen” einladen.

Sieben Stahlstelen recken sich über den Deich. Sie sind von Land- und Seeseite als Seh-Zeichen zu entziffern. In unterschiedlichen Längen streben sie dem Himmel zu. Die Hütte lädt ein zur Rast: Mauern aus gebrochenen - unfertigen - Ziegelsteinen tasten sich den Raum zwischen den Stelen hinauf. Sie bieten innen mit einem Sockelvorsprung einen angenehmen Sitzplatz für Gäste der Hütte - Wiedergekommene - und außen mögen Verzierungen eingemauert zu erkennen sein. Gestaltet sind diese Mauerreste nicht von Menschen von gestern, sondern von Menschen der Zukunft: Schulgruppen und Kunstkurse werden sie gefertigt haben. Der Nachwuchs baut einen Raum der Begegnung.

Hier, bei Langwarden, sind es die Familien des Ortes, die den Raum bieten. Ihre Namen sind auf Ziegeln gebrannt im Boden der Hütte eingelassen. Sie werden umringt von den Orts- und Flurnamen Butjadingens, gefolgt von den Namen der Städte und Gemeinden des Landkreises Wesermarsch. Die Namen der Bundesländer tauchen auf, schließlich die Nationen Europas. Und, ganz außen, die Namen der Sieben Kontinente. Umgeben ist das Kunstwerk von weiteren Ziegelsteinen, die eingebrannt die Namen der Sprachen der Welt tragen.

Nicht das Trennende, sondern das Verbindende, der gemeinsame Ursprung ist der Ausgangspunkt dieser Konzeption zur Forderung einer neuen Sprache der Begegnung. Diese Begegnung geschieht im Gegenüber unter den Stelen, wenn Einheimische und Touristen, Rad-Wanderer und Naturfreunde das Plateau betreten. Die neue Sprache will nicht erneut vermessen nach oben hinaus schießen, sondern auf der - gemauerten – „Basis der Vielfalt der Völker und Kulturen der Welt“ den Dialog einfordern! So lädt die Hütte Gottes zum Entdecken ein, weißt den Betrachter über seinen eigenen Standpunkt hinaus in die Welt - und zum Himmel.

Der Turm/ die Hütte Gottes schließt den Skulpturenpfad rund um den Jadebusen ab. Seine Platzierung an der Spitze Butjadingens weist über den Deich hinaus aufs Meer, den Menschen der anderen Länder der Erde zugewandt. Und doch gehört die plastische Erzählungsdarstellung fest verwurzelt als ein Teil der Menschheitsgeschichte, auf die stets aufbauend zurückgeblickt wird, weshalb sie auch ihren Platz im Alten Testament hat.


Animation: Architekturbüro Bendig & Wessels, Nordenham